Facebook Twitter

Temptació

Carles Batlle
Versuchung
Guillem: Sag mal, was von deinem Zuhause vermisst du am meisten? Von deinem Haus in der Kasbah, meine ich.

(Pause.)

Hassan: Den Geruch.

Guillem: Den Geruch?

Hassan: Den Geruch, ja, den Geruch der Wände, nach Lehm, nach Stroh, den Geruch der Stoffe, den Geruch des Essens. Den Geruch.

Guillem: Gut. Sieh dich mal um. Meine Familie lebt in diesem Haus seit mehr als drei Jahrhunderten. Dieses Haus, wie soll ich das sagen ..., jeder Winkel dieses Hauses atmet Geschichte. In diesem Zimmer wurden wichtige Leute geboren, Menschen, die mit dem Land hier verwurzelt waren. Fass das Holz an, fass diese portugiesische Decke an, sie ist aus dem 19. Jahrhundert, fass alles an, riech daran, riech daran, wenn du willst. Sieh dir dieses Muster an. Fahr mit der Hand darüber ... Und jetzt mach die Augen zu. Mach die Augen zu. (Kurze Pause.) Ich, ich muss nichts vermissen. Das alles hier hat dem Lauf der Zeit standgehalten, das alles ist uns treu geblieben. Ja, treu, wie wir uns treu geblieben sind, als Familie. Wenn ich die Spitzen an den Vorhängen sehe, bin ich glücklich, wenn ich im Wohnzimmer auf dem Klavier spiele, bin ich glücklich, wenn ich die Schelllackplatten auf dem alten Grammophon meines Onkels anhöre, bin ich glücklich, wenn ich das Holz meiner Kommode rieche, bin ich glücklich. Ich brauche den Geruch meines Hauses nicht zu vermissen: er ist hier, hier. Wenn ich hier bin, bin ich glücklich. Wenn ich in die Stadt fahre, bin ich ein Stück Scheiße. Vertrocknete Scheiße. Fass das Bett an, fass es an. Riech daran. So, sehr gut, riech. Hast du genug?

Hassan: Ja.

Guillem: So, und jetzt müsstest du mir den Gefallen tun.

Hassan: Was soll ich tun?

Guillem: Könntest du deinen Arsch erheben und deine verschissenen Drecksklamotten von meiner portugiesischen Tagesdecke nehmen? Ich wäre dir unendlich dankbar.

(Lange Pause.)

(Hassan steht auf, keiner von beiden berührt das Bett. Sie blicken sich fest in die Augen.)

Guillem: Vielen Dank. Soll ich dir was sagen? Selbst wenn ich verhungern müsste, selbst wenn ein Krieg käme, um nichts in der Welt, verstehst du, um nichts in der Welt würde ich mein Haus verlassen. Es ist mein Haus. Du und ich, wir sind verschieden, Hassan ... Und jetzt sprechen wir von ernsten Dingen. Dir ist klar, was du mir schuldest?

(Pause.)
Traduït per Thomas Sauerteig i Hans Richter
Carles Batlle, Versuchung. Gifkendorf: Merlin Verlag, 2004.
Carles Batlle, 2008
Comentaris sobre obres
Zoom (2010)
per Enric Gallén
Fragments
Oasi
Español | Français | Gallec
Suite
English | Español | Français
Temptació
Deutsch | English | Español | Français | Italià | Portuguès | Turc | Txec
Ressenyes
Bibliografia
Altres
Cercador d’autors
A-B-C-D - E-F-G - H - I
J - K - L - M - N - O - P - Q - R
S-T-U-V-W-X-Y-Z
Traduccions de la literatura catalana
Podeu consultar més pàgines sobre la literatura catalana en traducció a:
Amb el suport de: