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La plaça del Diamant

Mercè Rodoreda
Auf der Plaça del Diamant

- Und wenn mein Verlobter davon erfährt?

Da lachte der Mann und kam noch näher und sagte, so jung und shon verlobt? Und wie er so lachte, schoben sich seine Lippen auseinander, und ich sah all seine Zähne. Er hatte Augen wie ein Affe so klein und ein blau-weiß gestreiftes Hemd an, mit offenem Kragen, und unter den Achseln war es durchgeschwitzt. Dann kehrte der Mann mir plötzlich den Rücken zu, stellte sich auf die Zehenspitzen, wiegte sich vor mir von einem Fuß auf den anderen, und dann drehte er sich wieder zu mir und sagte, entschuldige, und dann begann er zu schreien: »He!... Wer hat meine Jacke gesehen? Ich hab’ sie neben den Musiken gelassen. Auf einem Stuhl. He!«... Und dann sagte er mir, daß man ihm seine Jacke geklaut habe un daß er gleich wiederkäme und ob ich doch bitte auf ihn warten würde. Und dann rief er: Cintet!... Cintet!

Dann tauchte plötzlich von irgendwoher Julieta auf, ganz in Kanariengelb, mit grünen Stickereien. Sie sagte, stell dich vor mich, ich muß mir die Schuhe ausziehen... ich kann nicht mehr... Ich sagte ihr, daß ich mich nicht von der Stelle rühren könne, weil ein Mann, der seine Jacke sucht, mit mir tanzen will und zu mir gesagt hat, ich soll genau hier auf ihn warten. Und Julieta sagte darauf, na, dann tanzt nur... Und es war warm. Die Kinder ließen Feuerwerksraketen los und warfen Knallfrösche. Der Platz war voller Melonenkerne, und in den Ecken lagen Schalen und leere Bierflaschen, und auf den Dächern in der Umgebung ließen die Leute ebenfalls Raketen hoch. Und auf den Balkonen. Die Gesichter glänzten vor Schweiß, und die Männer wischten sich mit dem Taschentuch über die Stirn. Die Musiker waren in Stimmung und spielten und spielten. Alles war wie auf dem Theater. Und dann kam der Pasodoble. Ich machte ganz von selber für mich Vorwärts- und Rückwärtsschritte mit, und dann hörte ich wie von weitem diese Stimme, wie sie zu mir sagte, guck mal an, und wie sie tanzen kann! Ich spürte einen starken Geruch nach Schweiß und Kölnisch Wasser. Und vor mir, zwischen zwei Ohren, glänzten diese Affenaugen. Der Gummi im Unterrock schnitt mir ins Fleisch, und meine Mutter tot, und kann mir nicht beistehen, denn da sagte ich zu dem Mann, daß mein Verlobter als Koch im Hotel Colón arbeitetet, und er lachte und sagte, wie schade, weil ich ja doch nächstes Jahr schon seine Frau sei, und seine Königin. Und daß wir mit dem großen Blumenstrauß rings um den Platz tanzen würden.

Meine Königin, hatter er gesagt.

Und dann sagte er, daß er mir gesagt habe, daß ich nächstes Jahr schon seine Frau sein wurde, und ich hätte ihn dabei nicht einmal angesehen, und da sah ich ihn dann an, und er sagte zu mir, schau mich nicht so an, das macht mich ganz schwach, und ich sagte zu ihm, daß er die Augen von einem Affen habe, und wir fingen beide an zu lachen. Der Gummi in meinem Unterrock schnitt mir wie ein Messer ins Fleisch, und die Musiker spielten wie verrückt. Julieta war verschwunden. Einfach weg. Und ich allein mit diesen Augen da vor mir, die mich nicht losließen, als ob sich die ganze Welt in diese Augen verwandelt hätte, und als ob es keine Ausweg mehr gäbe. Un die Nacht verging, und das Fest schritt voran mit dem Sternenwagen, und der große Blumenstrauß, und das Mädchen mit dem Blumenstrauß, ganz im Blau, und wie es sich drehte, immerzu im Kreis... Meine Mutter auf dem Friedhof von Sant Gervasi, und ich hier auf der Plaça del Diamant... Und Sie verkaufen Süßwaren? Honig und Konfitüren?... Und die Musiker waren müde und packten ihre Instrumente weg, aber dann mußten sie sie wieder hervorholen, weil jemand einen Walzer für alle spendiert hatte, und der ganze Platz begann, sich wie ein Kreisel zu drehen. Nach dem Walzer gingen die Leute dann allmählich nach Haus. Ich sagte, daß ich Julieta verloren habe, und er sagte, daß er Cintet verloren habe, und dann sagte er, daß wir beide, wenn wir ganz allein seien, und die Leute alle zu Haus und die Straßen leer seien, einen Walzer tanzen würden, er und ich, auf Zehenspitzen, rings um den Platz... Colometa. Ich sah ihn an, erstaunt und ein bißchen verängstigt, und dann sagte ich zu ihm, daß ich Natàlia heiße, aber er lachte nur und antwortete, ich könne doch nur Colometa heißen. Da fing ich an zu laufen, und er lief mir nach und rief, aber haben Sie doch keine Angst!... ich kann Sie doch nicht einfach so mutterseelenallein weglaufen lassen!... man könnte Sie mir doch wegnehmen!... Und er faßte mich am Arm und hielt mich fest, sehen Sie denn nicht, daß man Sie mir wegnehmen könnte, Colometa? Und meine Mutter tot, und ich verstört wie eine Henne, und der Gummi im Unterrock schnürte mir die Taille zusammen, als ob ich eine von den Papierblumen wäre, die mit Draht an die Asparaguszweige geklemmt waren.

Und ich fing wieder an zu laufen. Und er hinter mir her. Die Geschäfte waren alle zu und hatten die schweren Rollläden vor dem Eingang, und in den Schaufenstern lagen lauter tote Dinge, Tintenfässer und Löschpapier und Ansichtskarten und Puppen und Stoffe und Aluminiumtöpfe und Wäsche... Und dann kamen wir zur Carrer Gran, ich zuerst, und er hinter mir her, und beide rannten wir, und nach Jahren erzählte er noch davon, wie wir uns kennengelernt hatten, Colometa und ich, auf der Plaça del Diamant, wie sie auf und davon lief, und wie dann genau vor der Straßenbahnhaltestelle mit einem Mal der Unterrock auf den Boden fiel.

Sie Schlinge um den kleinen Kopf war geplatzt, und da verlor ich den Unterrock. Ich lief darüber hinweg, verfing mich dabei fast noch mit dem Fuß und lief weiter, als ob alle Teufel der Hölle hinter mir herwären. Zu Haus ging ich im Dunkeln zu Bett; ich fiel wie ein Stein in mein Messingbett und schämte mich. Nachdem ich mich genug geschämt hatte, streifte ich mir die Schuhe von den Füßen und machte mir das Haar los. Und Quimet erzählte noch nach Jahren, als wäre es eben erst passiert, wie damals der Gummi im Unterrock platzte und wie ich davonrannte, wie der Wind.

Traduït per Hans Weiss
Mercè Rodoreda, Auf der Plaça del Diamant. Frankfurt: Suhrkamp, 1979, 9-12.
Mercè Rodoreda, fotògraf desconegut, 1980 (AHCB-AF)
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Aloma in the city (1934-1938)
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