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Mirall trencat

Mercè Rodoreda
Der Zebrochene Spiegel

III. SALVADOR VALLDAURA UND TERESA GODAY

Diese samtweichen Augen und dieses ansteckende Lachen hatten ihn verliebt gemacht. Er würde sich immer daran erinnern, wie Teresa in den Salon gekommen war, in ihrem haselnußfarbenen Moirekleid, eine rosa Rose auf ihrer Brust, und in einem bodenlangen Mantel aus Edelmarder, durchfroren und über das Wetter klagend. Sie wechselten kaum ein paar Worte, doch beim Abschied gab sie ihm lachend die Hand, als hätte sie ihn schon immer gekannt. Am Dreikönigstag sah er sie wieder, ebenfalls im Haus von Quims Bruder. Rafael sagte ihm, daß er sie zum Mittagessen eingeladen habe, zusammen mit einem halben Dutzend Freunde, weil heide, er und auch sie, ein wenig verloren seien: sie sei seit etwas mehr als einem Jahr verwitwet und er ohne einen Verwandten in Barcelona. Beim Kaffee, als die Männer allein waren, fragte Valldaura, von welchen Godays diese Teresa abstamme. »Ich weiß es nicht so genau«, gab ihm Rafael ausweichend zur Antwort, »aber da sie die Witwe von Nicolau Rovira ist, hat sie hervorragende Beziehungen, und alle Türen stehen ihr offen.« Teresa und Eulàlia, die Frau Rafaels, waren gute Freundinnen geworden und gingen manchmal miteinander aus, um Schaufenster anzusehen. Eine Woche nach jenem Mittagessen sah sie Valldaura, der ganz allein auf dem Passeig de Gràcia spazierenginlg, am Eingang des Carrer de Casp aus einem Wagen steigen. Teresa trug einen Hut mit Paradiesvogelfedern. »Was für hübsche Federn«, sagte Valldaura, während er an ihre Seite trat. »Sie lachen also nicht darüber?« Teresa sah blendend aus, und alle Männer drehten sich nach ihr um. Er wollte gerade ihren Arm nehmen, besann sich dann aber anders: in Barcelona konnte man so etwas nicht tun. Sie liefen eine Zeitlang nebeneinander her, und bevor er sie verließ, sagte er ihnen, daß eine ganze Weile vergehen werde, bevor sie sich wiedersähen, denn er habe einen Brief aus Paris erhalten und müsse noch in dieser Woche abreisen.

Zwei Tage danach ging Valldaura nachmittags in das Restaurant Can Culleretes. Er hatte die Angewohnheit, am Tag vor seiner Abreise dort Schlagsahne essen zu gehen, dann, wenn er den Koffer schon gepackt hatte. Das war seine Art, Barcelona auf Wiedersehn zu sagen. Als er gerade ganz in Gedanken verloren war, hörte er die Stimme von Teresa: »Darf ich mich an Ihren Tisch setzen?« Der Kellner kam sogleich herbei; »Wie immer, Frau Rovira?« Teresa lachte: »Ja, Joan, Blätterteig und Schlagsahne.« Während sie ihre Handschuhe und das Portemonnaie auf den Stuhl neben Valldaura legte, sagte sie zu ihm, der sich von seiner Überraschung noch nicht erholt hatte: »Sie sehn, ich mach's wie Sie.« Sie sprachen über das Wetter, über die Bergadas, über Joaquim, den Teresa nicht kannte. Danach wußten sie einen Augenblick lang nicht, was sie sagen sollten. Teresa tat einen Seufzer: »Wie herrlich das sein muß, so zu reisen…« Er entgegnete ihr, daß er es allmählich müde werde, ganz allein in der Welt herumzuziehn, und daß es ihm immer Angst gemacht habe, eine Ausländerin zu heiraten. »Manchmal geht das gut, aber ich habe nie Lust verspürt, es zu probieren.« Plötzlich erinnerte er sich an Barbara und wurde rot. Teresa zerteilte die Schlagsahne mit der Löffelspitze, und ihn mit Augen voll falscher Unschuld anschauend, dachte sie: »Na, du hast wohl auch überall so deine kleinen Abenteuer!« Sie sprachen fast nichts mehr. Als sie sich erhoben; sagte ihr Valldaura mit Bedauern auf Wiedersehn. Er war unsterblich verlieb.

Am nächsten Tag, bevor er mit seinem Koffer das Hotel verließ, gab er den Auftrag, daß Teresa jeden Tag Blumen gebracht werden sollten. »Veilchen; solange es welche gibt.« Es würde so sein, als begänne die Idylle von Wien von neuem. Aber diesmal mit bei den Füßen auf dem Boden. Er ließ eine Schachtel voller Visitenkarten zurück. Auf jede hatte er geschrieben: »Ergebenst«.

Traduït per Angelika Maass
Mercè Rodoreda, Der Zebrochene Spiegel. Frankfurt: Suhrkamp, 1988, pp.49-50.
Mercè Rodoreda, fotògraf desconegut, 1980 (AHCB-AF)
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